Altöttinger Liebfrauenbote

Stippvisite beim Pfarrer von Ars, in Frankreichs weltberühmtem Wallfahrtsort

"Der liebe Gott ist immer bereit, uns zu empfangen ..."

Er gehörte zu den schillerndsten Figuren katholischer Frömmigkeit: Johannes (Jean) Maria Vianney, der heilige Pfarrer von Ars. 41 Jahre wirkte er als Geistlicher in dem kleinen Dorf vor den Toren Lyons. Grenzenlos war seine Nächstenliebe, sein Ruf legendär. Noch zu seinen Lebzeiten Mitte des 19. Jahrhunderts fanden bis zu 100.000 Gläubige jährlich den Weg nach Ars-sur-Formans. Ein Pilgerstrom, der mit seiner Heiligsprechung weiter anschwoll. Heute gilt der Pfarrer von Ars als Patron aller Geistlichen, weshalb auch viele Tausend Priester Jahr für Jahr den Weg an sein Grab finden – eine kleine Stippvisite in einen ber.ühmten Wallfahrtsort.

Ein Denkmal in Ars: Es zeigt Vianney, wie er den Hirtenjungen trifft, der ihm den Weg weist. Darauf das berühmte Zitat: "Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen."
Ein Denkmal in Ars: Es zeigt Vianney, wie er den Hirtenjungen trifft, der ihm den Weg weist. Darauf das berühmte Zitat: "Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen."

Helle Hose, schwarzer Pullover, grauer Schal. Der Pfarrer von Ars ist heute kein bunter Vogel mehr. Anders als sein weltberühmter Vorgänger, dessen Haar bis auf die Schultern wallte, der sich kaum Schlaf gönnte und bis zu 16 Stunden täglich Beichte hörte. Der amtierende Pfarrer von Ars ist ein Mann der Praxis, erfahren ihm Umgang mit Handy und Computer, ein Geistlicher mit Management-Qualität. Schließlich machen inzwischen fast eine halbe Million Pilger jährlich in Ars Station. Männer und Frauen aus aller Welt, auf die es einzugehen gilt.

"Der Pfarrer von Ars", preist er den Heiligen, "hatte Charisma und die prophetische Gabe, den Leuten klar zu machen, was sie ändern müssen, um glücklich zu sein." Vieles in dem kleinen Dorf nördlich von Lyon erinnert heute noch an damals. Vor allem das Kirchlein aus dem Mittelalter, um das im Lauf der Zeit immer neue Bauten entstanden. Die ersten Seitenkapellen fügte der Heilige noch selbst dem alten Gotteshaus an, den Ausbau zur großen Basilika aber erlebte er nicht mehr.

Renoviert zeigen sich die Wallfahrtsstätten heute. Vor der Kirche gibt es einen Besucherempfang und eine kleine Kapelle, in deren Mitte eine große Statue des Heiligen steht. Hier darf man auch Kerzen aufstellen und entzünden, was an seinem Grab in der rechten Seitenkapelle der Basilika nicht mehr erlaubt ist. "Wegen Feuergefahr und Luftverschmutzung", begründet der Verwalter der Anlagen, die neuen Maßnahmen, die viele Pilger nur schwer verstehen können.

Es sind mehr Frauen als Männer, die nach Ars kommen. Menschen, deren Ziel der gläserne Schrein in der Basilika ist. Im Priestergewand, mit violetter Stola über den Schultern, liegt dort der heilige Pfarrer von Ars auf einem Ruhekissen. "Das einzige Glück, das wir auf der Erde haben", war seine Maxime, "ist, Gott zu lieben und zu wissen, dass Gott uns liebt."

"Das einzige Glück, das wir auf der Erde haben, ist, Gott zu lieben und zu wissen, dass Gott uns liebt." *

Blick auf die Wallfahrtsstätte in Ars.
Blick auf die Wallfahrtsstätte in Ars.

Nur ein paar Schritte hinter der Basilika erzählt das Wachsfiguren-Museum die Geschichte des Johannes Maria Vianney, der als viertes Kind seiner Eltern 1786 in einem kleinen Dorf zur Welt kam. Frankreichs Katholiken hatten es damals nicht leicht. Im Gefolge der französischen Revolution wurden die Kirchenmänner verfolgt, Lyons Bischof geköpft. 1799 empfing der kleine Vianney deshalb heimlich hinter geschlossenen Türen die heilige Kommunion. Langsam reifte in ihm der Wunsch, Priester zu werden. Zu schlecht aber waren seine Latein-Kenntnisse, zu schwach sein Gedächtnis, so dass er das Priesterseminar verlassen musste. Erst die Fürsprache eines Pfarrers ermöglichte ihm schließlich doch noch eine praktische Ausbildung, die er 1815 mit der Priesterweihe krönte.

Ein paar Jahre wirkte er als Vikar bei seinem Förderer, dem Pfarrer von Ecully, ehe Johannes Maria Vianney zum Pfarrer von Ars bestellt wurde, zum "Monsieur le Curé". "Es gibt nicht viel Gottesliebe in Ars", hatte der Bischof ihm mit auf den Weg gegeben, "sie werden die ins Leben rufen". 32 Jahre war er damals alt und voller Eifer. "Sein klarer Blick", beschrieben ihn seine Biografen, "strahlte etwas lebendiges und zugleich unsagbar gütiges aus. Ein Blick, der bis ins Innerste der Seele drang."

Auf einem Hügel vor dem Dorf erinnert noch heute ein Denkmal an den Ort, wo der neue Pfarrer im Winter 1818 einen Hirtenjungen nach dem Weg nach Ars fragte. "Da entlang,", soll der ihm die Richtung gewiesen haben, was Johannes Maria Vianney mit den Worten kommentierte: "Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen." Angeblich sei er in Anbetracht des Dorfes schließlich auf die Knie gefallen, um Gott zu bitten, ihm am neuen Arbeitsplatz beizustehen. Eine Geste, die den polnischen Papst Johannes Paul II. später dazu bewegt hat, bei seinen Reisen in fremde Länder nach der Ankunft erst mal den Boden zu küssen.

"Die Heiligen haben nicht alle gut begonnen, aber sie haben alle gut geendet. Wir haben schlecht begonnen, lasst uns gut enden ..." *

Der Herzensschrein in Ars.
Der Herzensschrein in Ars.

Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Ars zu den ärmsten Pfarreien im Land. Viele der gut 200 Einwohner waren der Trunksucht verfallen, nur die wenigsten Kinder gingen zur Schule. Viel Arbeit also für den neuen Priester, der gleich neben der Kirche im Pfarrhaus Wohnung nahm. Sein Zimmer ist noch heute zu besichtigen, Stühle, kleine Bücherschränke, Heiligenbilder an den Wänden und ein Bett. Ein karger Raum, kaum genutzt. Denn statt im Bett schlief der Heilige häufig auf dem Küchenboden, statt im Pfarrhaus verbrachte er die meiste Zeit im Gebet mit den Menschen in der Kirche. Oder im Beichtstuhl, wo er den Pilgern stundenlang zuhörte. Fast wie ein Kind verehrte der Pfarrer von Ars die Gottesmutter. "Ihr Herz", hatte er einmal gesagt, "ist nur Liebe und Barmherzigkeit. Sie wünscht nur, uns glücklich zu sehen". 1836, lange vor der Verkündung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis, weihte er seine immer größer werdende Gemeinde der reinen Jungfrau Maria. Davon kündet auch die inzwischen vergoldete Marienfigur über der Basilika, die schon von weitem den Weg zum Eingang weist.

Zur Einstimmung gibt es für die Pilger einen Film, der ins Leben des heiligen Pfarrers von Ars einführt. "Ich möchte Seelen für den lieben Gott gewinnen", hatte der sich einst vorgenommen. "Der Priester", war sein Credo, "ist nicht für sich, sondern für Euch da. Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu." Das spürte man vor allem, wenn er auf der Kanzel der kleinen Kirche stand. Minutenlang deutete er von dort auf den Tabernakel. "Dort ist Er!", war sein christliches Mantra, mit dem er die Menschen und sich selbst zu Tränen rührte.

Zeitungsberichte und Flugblätter, vor allem aber die Mund-zu-Mund-Propaganda trugen die Kunde seiner Glaubenskraft ins Land. Jahr für Jahr wuchs die Zahl seiner Bewunderer. Noch zu seinen Lebzeiten überschritt die jährliche Pilgerzahl die 100.000-Marke. Bis zuletzt hatte Johannes Maria Vianney in Ars die Beichte abgenommen. Den Frauen in der Kirche, den Männern in der Sakristei, wo der alte Beichtstuhl noch heute in einer Ecke steht. "Im Sakrament der Buße", war er überzeugt, "zeigt Gott uns seine Barmherzigkeit und lässt uns daran teilhaben bis ins Grenzenlose."

"Der liebe Gott ist immer bereit, uns zu empfangen ... Es ist seine größte Freude, uns zu vergeben ..." *

Der Schrein des Heiligen.
Der Schrein des Heiligen.

"Bei ihm", sagt der heutige Pfarrer von Ars, "hatten die Menschen das Gefühl, dass er ihnen Liebe und Aufmerksamkeit schenkt, dass er im Beichtstuhl nicht über sie richtet." Sechseinhalb Stunden Beichtgelegenheit gibt es täglich in Ars, nicht nur in französischer Sprache. Regelmäßig werden Messen gelesen, dazu kommen die Gottesdienste der Wallfahrer, die häufig ihre eigenen Geistlichen mitbringen. Außerdem gibt es Andachten und Anbetungsstunden, kommen die Benediktinerinnen viermal täglich zu Gesang und Kontemplation zusammen. Besonders eng wird es am 4. August, dem Todestag des Heiligen, wenn Tausende zur großen Prozession kommen. Dann wird das Herzreliquiar durch Ars getragen, welches das Jahr über in der sogenannten Herzkapelle neben der großen Wallfahrtskirche ruht. Über dem Eingang erinnert eine Schrift an das Patronat des Heiligen, an den Schutzherren aller Priester der Welt.

Für sie steht in Ars ein eigenes Gästehaus, das Foyer Sacerdotal Jean-Paul II. Nach dem Papstbesuch 1986 wurde es erbaut. Ein modernes Haus des Gebets, der Erholung und geistlichen Stärkung, inzwischen auch Ausbildungsplatz für ein halbes Hundert Seminaristen. Auch hier erinnert eine kleine Statue in der Seminarkirche an den großen heiligen Mann, den Pfarrer der Herzen. "Wie gut ist doch der liebe Gott", soll er einst auf dem Sterbebett gesagt haben, "wenn man nicht mehr zu ihm kann, dann kommt er zu uns."

Text und Fotos: Günter Schenk

* Zitate, Pfarrer von Ars

Informationen

Anreise

  • Auto: A 6, Abfahrt Villefrance-sur-Saone, dann 8 Kilometer Richtung Bourg en Bresse
  • Bahn: Villefrance-sur-Saone oder TGV-Bahnhof Macon-Loché
  • Flugzeug: Flughafen Lyon (ca. 50 Kilometer bis Ars)

Kontakt

  • Pilgerbüro, 451 rue Jean-Marie Vianney, 01480 Ars-sur-Formans, Tel. 0033-(0)474081717, www.arsnet.org
  • Verkehrsamt :  267 rue Jean-Marie Vianney, 01480 Ars-sur-Formans, Tel. 0033-(0)474081076, www.cc-porteouestdeladombes.com

Wachsfigurenmuseum

  • Im Sommer täglich geöffnet, im Winter nur am Wochenende und an Feiertagen. Tel. 0033-(0)474007022, www.musee-ars.org

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)

Die Wallfahrtskirche in Ars.
Im Wachsmuseum: Der Pfarrer von Ars predigt...
... und eine Beichtszene.
In einer kleinen Kapelle kann man Kerzen anzünden.
Ein Wandgemälde in der Kirche zeigt den Pfarrer von Ars, wie er ein Kind segnet.
Wallfahrtskerzen.
Der Schrein des Heiligen.
Eine Gipsfigur des Heiligen im Seminar.
Blick ins Innere der neuen Kirche.