Altöttinger Liebfrauenbote

Br. Konrad-Feierlichkeiten in Altötting – Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz predigt

"Heiligkeit muss reifen"

"Heiligkeit muss reifen, Heiligkeit wird geschenkt und ist gleichzeitig ein gutes Stück Arbeit", stellte Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz im Rahmen des Br. Konrad-Triduums in Altötting fest. Bei den traditionellen dreitägigen Feierlichkeiten rund um den Festtag des hl. Klosterpförtners am 21. April erklärte P. Stefan Maria die Bedeutung Br. Konrads für das alltägliche Leben jedes Einzelnen.

P. Stefan Maria Huppertz predigt hinter einer von Kapuzinerpater Kosmas Wührer geschnitzten Br. Konrad-Figur im Kirchenzelt neben der St. Anna-Basilika.
P. Stefan Maria Huppertz predigt hinter einer von Kapuzinerpater Kosmas Wührer geschnitzten Br. Konrad-Figur im Kirchenzelt neben der St. Anna-Basilika.

"Es ist nicht leicht, fünf verschiedene Predigten über den hl. Kapuzinerbruder Konrad zu verfassen", bekannte P. Stefan Maria am Ende seiner letzten Predigt am Sonntag im Kirchenzelt neben der St. Anna-Basilika. "Weil sein Leben in sehr ruhigen und gleichmäßigen Bahnen verlaufen ist: Keine flammenden Predigten, keine wegweisenden Schriften, kein funkelndes Martyrium, keine spektakulären Ereignisse. Viele der Berichte über sein Leben tragen schon so deutlich die Merkmale einer Heiligenlegende, dass es auch hier schwierig wird, Dinge herauszugreifen."

Was leicht als Klage missverstanden werden kann, war vielmehr eine Feststellung – eine Feststellung mit Erkenntnisgewinn: "Aber genau das ist es ja, liebe Mitchristen, was uns diesen großen Heiligen im kleinen Alltag so wertvoll macht und so nahe bringt. Genau das hat dazu geführt, dass man ihn in der Zeit des Herrenrassen-Fanatismus zu einem Heiligen der Kirche erhoben hat. Da wird jemand als leuchtendes Beispiel hingestellt, dessen Strahlkraft bei Tageslicht nicht so ohne weiteres wahrzunehmen ist. Leuchtend, lichtreich und Helligkeit spendend wird dieser heilige Kapuziner erst dann, wenn wir ihn aus der und in der Bedecktheit unseres eigenen Lebens anschauen. Wenn wir zwischen Hausarbeit und Erwerbsarbeit, zwischen den alltäglichen Handgriffen und Fragen unseres Lebens auf Bruder Konrad schauen und ihn um seine Fürsprache bitten, dann erst entfaltet sich die Größe und die Nähe dieses Heiligen, der für uns ein treuer Fürsprecher beim Vater ist!"

Antreibende Kraft der Sehnsucht

Die Hauptreliquie des hl. Br. Konrad wurde aufgrund der Sanierung der St. Anna-Basilika heuer im Kirchenzelt aufgestellt.
Die Hauptreliquie des hl. Br. Konrad wurde aufgrund der Sanierung der St. Anna-Basilika heuer im Kirchenzelt aufgestellt.

In mühevoller Kleinarbeit und insgesamt fünf Predigten zeichnete P. Stefan Maria das Leben des Heiligen nach. Dass er das Leben dieses einfachen und bescheidenen Kapuzinerbruders sehr hoch einschätzt, wurde nicht zuletzt dadurch deutlich, dass er es immer wieder mit dem Leben einer sehr bekannten biblischen Gestalt verglich, die er in den Lesungstexten aus dem Buch Genesis vorstellte: mit Stammvater Abraham.

"Für Abram und den späteren Bruder Konrad war das Ziel Heimat in Gott zu finden", sagte P. Stefan Maria in seiner Predigt am Freitagabend. "Ein Leben mit Gott ist ja schön – solange er nicht stört. Eine Verbundenheit zu Christus ist ja beruhigend – solange er nichts von einem will. Aus dieser schönen Ruhe lassen sich die beiden Männer – der alte in Chaldäa, der junge in Parzham – herausreißen."

Die "Verheißung" und "die antreibende Kraft der Sehnsucht" hätten Abram und Konrad zum Aufbruch gedrängt und zum Neubeginn befähigt, fasste P. Stefan Maria am Samstagvormittag zusammen. Die Berufung des hl. Br. Konrad für ein Leben im Orden sei jedoch kein "Schnellschuss" und auch keine "Flucht vor der Welt" gewesen, erklärte der Prediger – er schilderte Johann Birndorfers Frömmigkeit, die ihn bereits in seiner Kindheit und Jugend geprägt hatten. "Er war ein Mensch aus einem Guss, was vielen Respekt abverlangte und mit Freude erfüllte. Das Gebet und die Gottsuche formten ihn zu einem aufrechten Menschen heran, der durchaus zu unterscheiden wusste, was der für ihn richtige Weg war und was eben auch nicht", sagte P. Stefan Maria.

Doch ebenso wie Abraham "Wüstensituationen" zu überstehen hatte – "der Aufenthalt in Ägypten, die friedliche Trennung von seinem Neffen und dessen Gefolge, das ständige Aufbrechen und Neustarten" –, so hatte auch der junge Johann Birndorfer und Br. Konrad die "Erfahrung einer Kargheit, einer Einsamkeit und Leere, die ganz schön an die Substanz gehen kann" machen müssen – als er den Venushof in Parzham aufgab und sein Erbe seinen Geschwistern überschrieb, beim mühsamen Alltag im Kloster, beim Fegen und Kartoffelschälen. "Da muss man sich ganz schön sicher sein! Da darf einen nicht gleich die erste Hürde entmutigen!" Umso wichtiger sei die Gewissheit, dass Gott einen begleite. "Abram baut Altäre auf seinen Wegen", stellte P. Stefan Maria fest. Für Br. Konrad sei die Gnadenkapelle in Altötting "so ein Pflock der erfahrbaren Gegenwart Gottes" gewesen.

Kraft der Visionen

Kapuziner und Gläubige trugen in einer Eucharistischen Prozession die Hauptreliquie des Heiligen über den Kapellplatz zurück in die St. Konradkirche.
Kapuziner und Gläubige trugen in einer Eucharistischen Prozession die Hauptreliquie des Heiligen über den Kapellplatz zurück in die St. Konradkirche.

"Wer keine Visionen hat, sollte zum Arzt, und dringend an seiner Sehnsuchtsfähigkeit arbeiten", erklärte P. Stefan Maria am Samstagabend. Das geflügelte Wort "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen" veränderte der Prediger ins Gegenteil, denn: "Wie arm wäre unsere Welt, wenn sich die großen Gestalten der Gesellschaft, der Politik, des Sportes und der Wissenschaft daran gehalten hätten!" – "Ein Abram wäre ohne die Vision eines neuen Lebens durch die Verheißung Gottes in der Wüste schlichtweg steckengeblieben, versandet und verdorrt. Ein Bruder Konrad wäre ohne die Vision, Gott und dem Evangelium in den mitunter schwierigen Menschen zu dienen, an der Klosterpforte vermutlich ziemlich schnell verrückt geworden oder am Alltag zerbrochen." Das Leben jedes Menschen gleiche manchmal einem Marathonlauf, sagte P. Stefan Maria. "Abram war Jahrzehnte unterwegs und hat sich vielleicht auch hier und da gefragt, ob er nicht einfach besser in Chaldäa geblieben wäre. Bruder Konrad war 41 Jahre lang an der Klosterpforte und wird sich in Gedanken bestimmt gelegentlich vorgestellt haben, wie sein Leben denn ausgesehen hätte, wenn er auf dem Venushof in Parzham geblieben wäre."

Doch "eine noch stärkere Sehnsucht" habe Abraham und Br. Konrad immer wieder zurückgeholt "in die Realität, in die Realität ihrer Gottesbeziehung". – "So eine Vision, Schwestern und Brüder, macht nicht krank, sondern belebt!" Eine Vision unterscheide sich von einer Ideologie, "weil sie immer nur punktuell greifbar wird, weil man sich immer wieder nach ihr ausstrecken muss, um mit ihr eine Verbindung einzugehen. Das sind dann die Sternstunden. Und dazwischen, liebe Mitchristen? Alltag." In unserer "Zeit der schnellen Entwicklung und ständigen Veränderung, in einer Zeit der Optimierung und hoher Flexibilität" mag uns das einfache Leben des Pförtners fremd erscheinen – "fremd" oder vielleicht "wohltuend anders"?

Achte auf deine Gedanken

Fahnenabordnung des Altöttinger Trachtenvereins im Kirchenzelt.
Fahnenabordnung des Altöttinger Trachtenvereins im Kirchenzelt.

"Die Entdeckung der Stille – die Entschleunigung des Alltags" so und ähnlich seien "seit einigen Jahren Seminare für gestresste Führungskräfte überschrieben, die dem  Herzinfarkt oder dem Burnout noch mal entkommen wollen", stellte P. Stefan Maria in seiner Predigt am Sonntagvormittag fest. "Für uns Christen sind solche Momente der Meditation, Augenblicke, um zu uns selber und zu Gott zu gelangen, von jeher ein wichtiges Instrument, um in der Balance zu bleiben."

Die Frage, wie die Pilger auf Erden ans Ziel der Verheißung gelangen, stellte der Prediger in seiner vierten Predigt. Dass diese Frage nicht einfach zu beantworten ist, schilderte er anhand der biblischen Geschichte, als Maria der Gottessohn verheißen wurde. "Danach verließ sie der Engel", zitierte er die Hl. Schrift und stellte fest: "Maria hätte mit Gewissheit gerne noch mit dem Engel ein paar offene Fragen geklärt, hätte sich gewünscht, den doch etwas komplizierten Plan Gottes mit Gabriel nochmals in Ruhe durchzugehen. Aber: nichts da." Sowohl Abraham, als auch Br. Konrad hätten lange Wege hinter sich gebracht, immer wieder der "Zusage Gottes vertraut". P. Stefan Maria zitierte den Kirchenlehrer Thomas von Aquin: "Die Umgebung, in der der Mensch sich den größten Teil des Tages aufhält, bestimmt seinen Charakter." Dann stellte er fest: Auch ein Br. Konrad sei mal jung gewesen, jeder habe es in der Hand, in welche Richtung er sich entwickle. "Gut, dass der heilige Konrad so oft in der Gnadenkapelle war und auch wir immer wieder solch formende Orte aufsuchen können!" Zweimal zitierte der Prediger ein "vermutlich chinesisches Sprichwort": "Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheit. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal."

"Abraham hat seinen Wanderstab, auf den er sich stützt, der im Halt und Sicherheit gibt, auf den er sich aufstützen kann und sich aufzurichten vermag. Für Bruder Konrad ist es der Rosenkranz, der ihn mit den Geheimnissen des göttlichen Heilsplanes in Verbindung hält", stellte P. Stefan Maria in der Predigt am Sonntagnachmittag fest und bat den hl. Br. Konrad um Fürsprache.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Hl. Messe im Kirchenzelt.
Vesper im Kirchenzelt.
Hl. Messe im Kirchenzelt.
Vesper im Kirchenzelt.
Eucharistiefeier.
Eucharistiefeier.
Nach der Festmesse am Sonntagvormittag gab es Br. Konrad-Weckerl und Pilgerbier für die Gottesdienstbesucher.
Nach der Festmesse am Sonntagvormittag gab es Br. Konrad-Weckerl und Pilgerbier für die Gottesdienstbesucher.
Zusammensein am Basilikavorplatz.
Zusammensein am Basilikavorplatz.
Kapuziner erteilten nach der Vesper am Sonntagnachmittag den Einzelreliquiensegen.
Kapuziner erteilten nach der Vesper am Sonntagnachmittag den Einzelreliquiensegen.
Einzelreliquiensegen.
Einzelreliquiensegen.
Einzelreliquiensegen.
Einzelreliquiensegen.
Einzelreliquiensegen.
Einzelreliquiensegen.