Altöttinger Liebfrauenbote
Die Pilgerstätte „Espace Bernadette“ in Nevers an der Loire, wo Bernadette Soubirous ihre letzten Jahre im Kloster verbrachte.
Die Pilgerstätte „Espace Bernadette“ in Nevers an der Loire, wo Bernadette Soubirous ihre letzten Jahre im Kloster verbrachte.

In Nevers fand die hl. Bernadette Soubirous Zuflucht und ihre letzte Ruhestätte – Todestag 16. April

Vom "Lourdes-Rummel" in die Klosterruhe

Am 11. Februar 1858 erschien dem französischen Mädchen Bernadette Soubirous beim Holzsammeln im Wald bei Lourdes erstmals die Muttergottes. Die Begegnung, der im Lauf des Jahres mehr als ein Dutzend weitere folgen sollten, war der Grundstein für Europas populärste Marien-Wallfahrtsstätte. Millionen von Pilgern machen seitdem in Lourdes jährlich Station. Hunderttausende kommen inzwischen auch nach Nevers, wo die heilige Bernadette begraben liegt. Im Juli 1866 war sie dort in das Kloster der Kranken- und Schulschwestern eingetreten, das heute für Pilger aus aller Welt offen steht.

Blick in den Schrein mit dem Leichnam Bernadette Soubirous'.
Blick in den Schrein mit dem Leichnam Bernadette Soubirous'.

"Bernadette lebte das Evangelium", erklärt der Pfarrer aus Augsburg, der zwei- oder dreimal jährlich in Nevers Station macht, meist auf der Durchreise nach Lourdes. Jetzt sitzt er mit seiner Gruppe bei Hähnchenschenkeln, grünen Bohnen und überbackenen Kartoffeln beim Abendessen im Espace Bernadette, der wichtigsten Wallfahrtsstätte an der Loire. Dazu gibt es einen Cabernet Sauvignon, einen frischen französischen Landwein, Käse und Dessert.

Ein paar Schritte weiter, in der Klosterkapelle, steht der Schrein der heiligen Bernadette Soubirous, das Ziel der Pilger. Schlafend liegt die weltberühmte Nonne dort hinter Glas. Ein paar Dutzend Kerzen brennen auf dem Gestell gegenüber. Zeichen der Dankbarkeit, mit denen häufig aber auch Wünsche verbunden sind. Schließlich kommen manche Pilger mit einem persönlichen Anliegen, hoffen in ihren Nöten auf die Fürsprache der Heiligen. Sie vertrauen auf eine barmherzige Frau, die ihr ganzes Leben für andere da war.

"Ich liebe die Armen sehr. Ich pflege die Armen gern"

Schrein mit dem Leichnam Bernadette Soubirous', Kopf und Hände sind von Wachs bedeckt.
Schrein mit dem Leichnam Bernadette Soubirous', Kopf und Hände sind von Wachs bedeckt.

Mehr aus ihrem Leben erzählt das Museum gegenüber der Wallfahrtskapelle. Schwarz-Weiß-Bilder aus der Frühzeit der Fotografie zeigen die Grotte von Lourdes, als sie noch nicht von Pilgermassen überrannt war. Hier war der in der Nähe geborenen Müllers-Tochter Bernadette wenige Tage vor ihrem 14. Geburtstag die Muttergottes erschienen. Eine Frau von großer Schönheit, im langen, weißen Kleid mit blauem Schleier, in den Händen einen Rosenkranz. Weitere Erscheinungen folgten, in der die Gottesmutter Bernadette unter anderem auftrug, in Lourdes eine große Kirche bauen zu lassen. "Dame" nannte Bernadette die Muttergottes, die sie eines Tages zu einer Quelle lotste, die das Mädchen auf Marias Geheiß aus dem Grottengrund löste. Eine Quelle mit heilendem Wasser, wie sich schnell herausstellte. Blinde wurden sehend, Kranke geheilt. Lourdes wurde Wallfahrtsstätte.

Bernadette aber konnte mit dem "Rummel" nichts anfangen, wollte auch nicht mehr über ihre Erlebnisse sprechen. 1866 trat sie deshalb in den Orden der Schwestern der Nächstenliebe in Nevers ein. Zwei Schirme und eine Reisetasche, die sie mitbrachte, stehen heute im Museum hinter Glas. "Ich liebe die Armen sehr. Ich pflege die Armen gern", hatte sie ihre neue Aufgabe in einem Brief begründet.

"Habt kein anderes Anliegen im Sinn bis auf das der Nächstenliebe, habt kein anderes Interesse, außer dem für die Ausgeschlossenen"

Heute befindet sich Bernadettes Schrein in der Klosterkapelle selbst.
Heute befindet sich Bernadettes Schrein in der Klosterkapelle selbst.

"Von der ganzen Klostergemeinschaft wurde sie herzlich willkommen geheißen", notierten ihre Mit-Schwestern 1866 im Tagebuch des Noviziates. Marie Bernard nannte sich jetzt Bernadette – Lourdes und ihre Erlebnisse dort waren in Nevers kein Thema mehr. "Habt kein anderes Anliegen im Sinn bis auf das der Nächstenliebe, habt kein anderes Interesse, außer dem für die Ausgeschlossenen", hatte Jean-Baptiste Delaveyne, der Ordensstifter, schon rund 200 Jahre vorher allen Schwestern mit auf den Weg gegeben.

Tag für Tag kümmerte sich Bernadette, selbst schwer asthmakrank, um die Siechen und Bedürftigen. 13 Jahre lang, bis sie nicht mehr konnte. Am 16. April 1879 schlief die Ordensfrau für immer ein, wurde ihr Leichnam in der Josephskapelle im Klostergarten bestattet. Erst anlässlich ihrer Seligsprechung überführte man ihren unverwesten Leichnam 1925 in die Klosterkapelle, wo sie noch heute ruht, Gesicht und Hände von einer Wachsmaske verdeckt.

"Jeder Mensch ist in den Augen Gottes kostbar" (Bernadette Soubirous)

Die Josephskirche (Église Saint-Étienne) ist eine Pilgerkirche auf dem Jakobsweg.
Die Josephskirche (Église Saint-Étienne) ist eine Pilgerkirche auf dem Jakobsweg.

Ein bisschen Lourdes aber gibt es inzwischen auch in Nevers, allen voran eine Nachbildung der weltberühmten Grotte. Und auch Bernadette-Souvenirs gibt es mehr als genug, Kerzen und Medaillons, kleine Marienstatuen, Bücher, CDs und Postkarten. "Die meisten Pilger, die an die Loire reisen", heißt es im örtlichen Verkehrsbüro, "glauben, Bernadette sei in Lourdes gestorben." Und auch ein Drittel der bis zu 300.000 Besucher der Stadt, Durchreisende und Tagesausflügler meist, interessieren sich mehr für die engen Altstadtgassen mit ihren mittelalterlichen Häusern und Kirchen als für das Kloster am Stadtrand.

Mit der romanisch-gotischen Kathedrale, deren Vorbild manche im Mainzer Dom vermuten, und dem gegenüberliegenden Herzogs-Palast mit seiner prachtvollen Renaissance-Fassade verfügt Nevers über zwei touristische Perlen. Der Diamant aber ist die Stephanskirche (Église St. Étienne), eines der schönsten romanischen Gotteshäuser Frankreichs und eine der ersten Pilgerkirchen am Jakobsweg.

"Bernadette wurde nicht wegen ihrer Erscheinungen heilig gesprochen, sondern wegen ihres Lebens als Ordensfrau"

In der Josephskapelle im Klostergarten wurde Bernadette zunächst beigesetzt.
In der Josephskapelle im Klostergarten wurde Bernadette zunächst beigesetzt.

Der Jakobsweg durch Nevers scheint auch der neue Pilger-Motor. "Die jungen Einzelpilger", freut man sich im Espace Bernadette, wo viele übernachten, "sind deutlich mehr geworden". Auch deutsche Busse machen noch immer gern auf ihrer Reise nach Lourdes an der Loire Station.

Vom "Rummel" wie dort aber will man im Espace Bernadette nichts wissen. "Bei uns", heißt es bei den Schwestern, "kann man Bernadette so erleben, wie sie fühlte". Und dann schiebt man nach, woran die meisten Nevers-Reisenden nicht denken: "Bernadette wurde nicht wegen ihrer Erscheinungen heilig gesprochen, sondern wegen ihres Lebens als Ordensfrau."

Text und Fotos: Günter Schenk

Info und Kontakt:
Tourismusbüro Nevers, Palais Ducal, BP 818, 58008 Nevers, Tel. 0033-(0)386684598, www.nevers-tourisme.com
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Pilgerstätte Espace Bernadette, 34, rue Saint-Gildard, 58000 Nevers, Tel. 0033-(0)0386719950, www.sainte-bernadette-nevers.com.
Öffnungszeiten der Klosterkapelle mit dem Schrein: April-Oktober 7-12:30 und 13:30-19:30 Uhr, November-März 7:30-12 und 14-18 Uhr. Gottesdienst: werktags 8 und 11:30 Uhr, Sonntags: 10 Uhr.