Altöttinger Liebfrauenbote

Kommentar zur neuen Regelung des Kirchenaustritts

Teil der Gemeinschaft bleiben

Ein Kruzifix liegt auf einem Tisch neben Geldscheinen und Münzen.
Wer Mitglied der Kirche bleiben will, muss auch weiterhin Steuern zahlen.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 20. September ein Allgemeines Dekret zum Kirchenaustritt veröffentlicht. In Einvernehmen mit Rom bestätigt das Schreiben die bisherige Handhabe, wonach "ein ziviler ,Kirchenaustritt' als förmliche Distanzierung von der Kirche eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft darstellt und für jeden, der auf diese Weise auf Distanz zur Kirche geht, die aktive Teilnahme am kirchlichen Leben eingeschränkt ist", wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte. Wer aus der katholischen Kirche in Deutschland austritt, verwirkt auch weiterhin sämtliche Mitgliederrechte, darunter den Empfang der Kommunion oder die Möglichkeit, Taufpate zu sein. Allerdings ist der Austretende nicht mehr automatisch exkommuniziert.

Kommentar zum Thema

Glaubt nur der, der brav seine Kirchensteuer zahlt? – Nein, natürlich nicht. Wer getauft wurde, der bleibt katholisch, daran ändert auch die jetzige Regelung nichts. Doch ist es gerecht, wenn nur derjenige Eucharistie feiern oder Taufpate sein darf, der zahlt? Manche treten aus der Kirche aus, weil sie sich die Steuer einfach nicht leisten können. Es gibt aber auch andere: sie treten aus, weil sie sich drücken wollen, weil ihnen der Bischof oder der örtliche Pfarrer nicht passen, weil sie protestieren wollen...
Der Kontakt und das Gespräch mit jedem einzelnen Gläubigen sind wichtig und notwendig. Es stellt sich aber auch die grundsätzliche Frage: Was bedeutet es, Teil einer Gemeinschaft zu sein? Jeder Austritt schwächt eine Gemeinschaft und damit auch automatisch ihren Auftrag: Wer den Glauben verkünden, Gottesdienste feiern und Menschen dienen möchte, sprich: wer sich an den drei wesentlichen Grundaufträgen der Kirche beteiligen möchte, der kann dies effektiv nur als Teil dieser Gemeinschaft tun.
Natürlich geht es auch um Geld: Eine Kirche finanziert sich nicht allein aus dem guten Willen heraus. Doch sie gibt auch viel für das Geld, das sie erhält: für die Seelsorge, für den Dienst am Nächsten,... – gerade ihr soziales Engagement wäre in unserer Gesellschaft kaum zu ersetzen.
Ein Blick in die Bibel offenbart: Jesus hatte eine ebenso kritische wie pragmatische Einstellung zum Geld: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.  Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel“, heißt es etwa im Evangelium (Mt 10, 8-9). Doch Jesus zahlte auch Tempelsteuer (vgl. Mt 17,24-27). Letztlich kommt es wohl darauf an, was die Kirche mit ihren Steuereinnahmen macht.
Die Bischöfe müssen einen Kirchenaustritt nicht hinnehmen und es ist ihr gutes Recht festzulegen, wie sie einen solchen sanktionieren. Eine Mitgliedschaft bedingt eben Rechte und Pflichten – wer die Pflichten verletzt, kann die Rechte schlecht einfordern. Doch auch die Kirche hat Pflichten: Sie muss ihre Gelder verantwortungsvoll investieren und um glaubwürdig zu bleiben, sollte sie auch exakt offenlegen, wohin die Gelder geflossen sind.

Text und Foto: Michael Glaß