Altöttinger Liebfrauenbote

Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation in Altötting

„Schämt euch nicht, katholische Männer zu sein!“

Rund 1.700 Sodalen haben am 16. September das traditionelle Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation (MC) gefeiert. Hauptzelebrant Altabt Prof. Dr. Christian Schütz OSB betonte in seiner Predigt in der St. Anna-Basilika den Wert von Ehe und Familie und rief den Sodalen zu: „Schämt euch nicht katholische Männer zu sein!“

Mit vielen Fahnen ziehen die Sodalen in die St. Anna-Basilika ein.

Es scheint nicht, dass sich die Sodalen schämen, der Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika ist alles andere als schüchtern und zurückhaltend. Rund 50 Abordnungen ziehen mit ihren Fahnen in die voll besetzte Kirche ein, kurz vor dem Altarraum bleibt jeder Träger kurz stehen und schwenkt die Fahne zu einem Gruß an den Herrn. Die Altöttinger Hofmusik (unter Leitung von Karlmann Kanzler) und die Gebrüder Bernhart (Gesang) untermalen die Zeremonie mit festlichen Tönen. Mehrere Minuten vergehen, bis dann schließlich auch der Hauptzelebrant seinen Platz im Altarraum einnehmen kann, umringt von all den der Gottesmutter Maria geweihten Fahnen. „Gemeinschaft findet nirgendwo so großen Ausdruck wie in der Feier der hl. Eucharistie“, erinnert Altabt Prof. Dr. Christian Schütz OSB in seiner Begrüßung.

„Für wen haltet Ihr mich? Was haltet Ihr von meiner, von unserer Kirche?“

Altabt Prof. Dr. Christian Schütz OSB predigt beim MC-Herbsthauptfest.

Die Predigtworte des ehemaligen Abts von Schweiklberg (1982-2007) sind dann auch weniger als Kritik denn als Aufmunterung gemeint: „Schämt euch nicht katholische Männer zu sein, die mutig Zeugnis geben!“ Der Benediktiner erinnerte an Jesu Frage im Sonntagsevangelium (Mk 8, 27, Für wen halten mich die Menschen?) und gab sie weiter an die Sodalen: „Für wen haltet Ihr mich? Was haltet Ihr von meiner, von unserer Kirche?“ „Laufen wir nicht weg, verstecken wir uns nicht, es ist Christus der zählt, der bleibt und bleiben wird“, stellte er fest und betonte vor allem auch die Verantwortung der Laien für ihre Kirche. Das II. Vatikanische Konzil habe das Laienapostolat, die Laien als „Mitarbeiter am Heilswirken der Kirche“ extra hervorgehoben, jeder Gläubige sei demnach „berufener Zeuge der Auferstehung und des Lebens Jesu“. Schon bei der Gründung der Marianischen Kongregationen vor fast 450 Jahren in der Zeit der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert seien die Laien gefordert gewesen – „alle Schichten und Berufe der Männerwelt von damals waren in der MC vertreten“, erinnerte Altabt Schütz. Gerade in der heutigen Zeit, in der Kirche und Glaube öffentlich kaum noch Gehör fänden, sei die Mitarbeit der Laien besonders wichtig. „Verschafft humanen und christlichen Werten Gehör durch Euer Beispiel und durch Euer mutiges Wort“, rief der Altabt den Gläubigen zu und appellierte, sich auch in Gesellschaft und Politik einzubringen. Ein Thema liegt dem Altabt, der viele Jahre auch als spiritueller Begleiter in der Familien- und Erwachsenenseelsorge tätig war, ganz besonders am Herzen: Ehe und Familie. „Der Schutz und die Sorge für Ehe und Familie sind nicht nur in der Bibel, sondern auch im Grundgesetz verankert“, erinnerte er und betonte: „Es gibt keine Gesellschaftsordnung ohne innere Ordnung, ohne Wertordnung.“ Natürlich sei die Ehe nicht immer leicht zu leben, doch es liege an jedem Einzelnen, dem Zusammenleben Ideale zu geben – „Ideale, die erprobt sind und sich bewahrheitet haben über Jahre hindurch".

Sieben Neusodalen

MC-Präfekt Stefan Burghart (l.) und MC-Präses Kapuzinerpater Bruder Georg Greimel freuen sich über jungen Nachwuchs.

MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel griff am Nachmittag bei der Aufnahmefeier der Neusodalen – sieben Neusodalen wurden aufgenommen; am Vormittag hatten 15 Sodalen ihre Lebensweihe nach einjähriger Mitgliedschaft abgelegt – die Predigt von Altabt Schütz auf. Auch Br. Georg betonte die Verantwortung der Laien – jeder Einzelne sei ein „Teil der Kirche“ – und auch er erinnerte an die Bedeutung von Ehe und Familie. Anhand der Medaillons im Kirchengewölbe der Basilika erklärte er: Jedem der sieben Sakramente sei eine der sieben Tugenden (drei göttliche und vier Kardinaltugenden) zugeordnet. Die Mäßigkeit stehe dem Sakrament der Ehe gegenüber und während die sechs anderen Paare von Engelköpfen umgeben seien, sei bei der Ehe das „Auge Gottes“ zu sehen; Br. Georg erklärte: „Die Ehe ist ein so wichtiges Sakrament, dass Gott selbst ein Auge darauf hat.“ Nach der Neuaufnahmefeier zogen die Sodalen in einer feierlichen Prozession hinauf zur Gnadenkapelle.

Sodalen spendeten bereits 220.000 Euro für die Basilika-Sanierung

Eucharistische Prozession über den Kapellplatz nach der Neuaufnahmefeier am Nachmittag.

Die Medaillons werden auch in Zukunft an die Bedeutung der Sakramente und Tugenden erinnern – deren Renovierung ist bereits gesichert. Die Kapuziner haben im Rahmen der Generalsanierung der Basilika Patenschaften für einzelne Objekte ausgeschrieben – während manche noch zu vergeben sind, haben sich für die Medaillons bereits Paten gefunden. Die Sanierung der Basilika war Hauptthema beim Treffen der Obmänner nach dem Gottesdienst am Vormittag. Die erste Bauphase, die Außenrenovierung sei bald abgeschlossen – „es wurde gut gearbeitet, die Ziele wurden erreicht“, sagte Br. Georg. Bis zum 100-jährigen Jubiläumsfest der Kirche am 13. und 14. Oktober sollte auch das Gerüst abgebaut sein. Danach beginne die aufwändige Innensanierung, laut P. Georg planen die Kapuziner mittelfristig den Vorraum zu öffnen, sodass die Gläubigen sich an den Schautafeln über die Maßnahmen informieren können. Das nächste Hauptfest der MC im kommenden Jahr wird dann bereits im „Kirchenzelt“ im Garten des St. Konradklosters stattfinden. Wie Br. Georg bedankte sich auch MC-Präfekt Stefan Burghart für die große Spendenbereitschaft der Sodalen – rund 220.000 Euro hätten allein schon MC-Mitglieder gespendet. Insgesamt werde die Bausumme wohl „Richtung zehn Millionen Euro gehen“, informierte er. Burghart zog eine positive persönliche Bilanz nach genau einem Jahr im Amt: „Es macht Spaß“, die Ortsgruppen, die er besucht habe, hätten ihn „herzlich aufgenommen“. Ein Wermutstropfen sei die Entwicklung der Mitgliederzahlen: 146 Todesfällen und sechs Austritten stünden nur 76 Aufnahmen gegenüber. Schließlich erinnerte Burghart an das Jubiläumsjahr „450 Jahre Marianische Männerkongregation“, das mit einem zentralen Festakt in München begangen werden soll – 1563 hatte der flämische Jesuit Jean Leunis in Rom die Congregatio Mariana (MC) gegründet.

Text: Michael Glaß
Fotos: Roswitha Dorfner

Bildergalerie

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Feier der Eucharistie.
Eucharistische Prozession.
Dreigesang Gebrüder Bernhart.
Lebensweihe.
Neuaufnahme.
Obmännertreffen.