Altöttinger Liebfrauenbote

Von der MC errichtetes Kastler Pestkreuz nun in bayerischer Denkmalliste

Hoffnungszeichen von Dauer

Das Kruzifix auf dem ehemaligen Pestfriedhof der Gemeinde Kastl bei Altötting ist ein Zeichen der Hoffnung, dass Gott auch in schwierigsten Zeiten demjenigen Zukunft schenkt, der an ihn glaubt. Und es ist umgekehrt ein Symbol für die Glaubenskraft einer Gemeinschaft: der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC). Sie hatte das „Pestkreuz“ vor über 100 Jahren in Auftrag gegeben und achtet auf den seinen Erhalt.

Das Kruzifix auf dem ehemaligen Pestfriedhof der Gemeinde Kastl bei Altötting ist ein Zeichen der Hoffnung.

Im November, besonders an Allerheiligen und Allerseelen gedenken wir ganz besonders der Verstorbenen. Dass auch die Toten nicht vergessen sind, die aufgrund ihrer Krankheit, der Pest, vor hunderten Jahren meist weitab der örtlichen Friedhöfe bestattet wurden, ist in Kastl der Marianischen Männerkongregation zu verdanken. Zitieren wir aus der Festschrift zum 300-jährigen Gründungsjubiläum der MC im Jahre 1899: „Infolge der löblichen Gewohnheit, seien besonderen Anliegen den armen und ärmsten Seelen der im ‚Pestfriedhofe’ Begrabenen im Gebete zu empfehlen, lenkte Präses P. Augustin die Aufmerksamkeit der Marianischen Sodalen auf diesen abgelegenen Waldeswinkel im nahen Forste zwischen Altötting und Kastl, wo die vor Jahrhunderten an der Pest Verstorbenen beerdigt sind. Man ließ die ziemlich vergessene und verwahrloste Grabstätte mit Zierbäumen bepflanzen. In der Mitte dieses Gottesackers wurde ein neues, 3 Meter hohes eisernes Kreuz mit vergoldetem Metall-Christus errichtet; auf dem Steinsockel ist folgende Inschrift zu lesen: ‚Ruhestätte der Pfarrangehörigen von Altötting und Kastl, welche durch die im Jahre 1649 wütende Pest dahingerafft worden sind. Dieses Denkmal der Liebe ließ errichten die Marianische Congregation zu Altötting im Jahre 1894.‘“

Den Stürmen getrotzt

Zur Einweihung des Kreuzes versammelten sich am 21. September 1894 nicht weniger als 800 Sodalen und weitere Gläubige. Inzwischen sind über 100 Jahre vergangen und die Stürme dieser Zeit hatten ihre Spuren am „Pestfriedhof Kastl“ hinterlassen – zum Teil wortwörtlich: die schweren Orkane Wiebke 1990 und Kyrill 2007 verwüsteten den Wald ringsum. Das Kruzifix selbst blieb wundersamer Weise unbeschädigt. Die MC hat die kleine Waldlichtung im Laufe der Jahre mit Ruhebänken ausgestattet, Sockel, Schrifttafel, Weihwasserbecken und Marienfigur des Pestkreuzes hergerichtet und den Korpus Christi neu gefasst. So ist ein in seiner Schlichtheit eindrucksvoller Andachtsraum in freier Natur entstanden.

Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege würdigte den Einsatz der MC vor wenigen Wochen mit der Aufnahme des „Pestkreuzes“ in die bayerische Denkmalliste. Aufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen und volkskundlichen Bedeutung erfülle das Objekt die Kriterien. Weiter heißt es in der Stellungnahme des Landesamtes: „Durch die reiche Gestaltung, die hohe Qualität des Eisengusses und die detaillierte Gestaltung einzelner Elemente kommt dem Pestkreuz künstlerische Bedeutung zu. Als Flurdenkmal besitzt das Pestkreuz ein hohes Maß an volkskundlicher Bedeutung.“ Das auch die religiöse Bedeutung des Ortes nicht vergessen wird, dafür sorgt die Marianische Männerkongregation Altötting, die am Kastler Pestkreuz jedes Jahr eine ihrer traditionellen Maiandachten abhält. So bleiben die Pesttoten auch nach 350 Jahren unvergessen.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

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Bilder vom Kreuz am ehemaligen Pestfriedhof in Kastl sowie ein Materl mit einer Widmung der Marianischen Männerkongregation.
Bilder vom Kreuz am ehemaligen Pestfriedhof in Kastl.
Materl mit einer Widmung der Marianischen Männerkongregation.