Altöttinger Liebfrauenbote

Hundertjähriges Weihejubiläum der St. Anna-Basilia

Eine „lebensspendende Kirche“

Zahlreiche Gläubige haben am 13. Und 14. Oktober das hundertjährige Weihejubiläum der St. Anna-Basilika gefeiert. Die beiden Prediger, der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, P. Christophorus Goedereis, und der Apostolische Administrator der Diözese Passau, Bischof Wilhelm Schraml warben für eine Neuentdeckung des Glaubens.

Eucharistiefeier mit Bischof Wilhelm Schraml.
Eucharistiefeier mit Bischof Wilhelm Schraml.

„Tu auf deine Pforten, hieß es am Sonntag, dass einziehe der König der Herrlichkeit“ – der Altöttinger Liebfrauenbote hatte in seinem Bericht in der Ausgabe Nr. 42 im Jahr 1912 einen sehr lebendigen „Kirchweihtag von Neu-St. Anna in Altötting“ am 13. Oktober 1912 geschildert – Mit einer feierlichen Reliquienprozession, einem Pontifikalamt mit dem „Oberhirten Sigismund“ (Bischof Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf). Zahlreiche Gläubige und Pilger waren gekommen, Schirmherr Prinzregent Ludwig von Bayern der berühmteste der Teilnehmer. „Ja, das war der Tauftag der neuen Kirche, ihr Vermählungstag mit dem göttlichen Bräutigam der Seelen, ihr Ritterschlag gleichsam zur Wohnung dessen, den selbst die Himmel nicht zu fassen vermögen.“

Hundert Jahre sind seitdem vergangen. Und auch heuer wurde gefeiert: Eine Vorabendmesse am Samstag, dem Weihetag am 13. Oktober, mit einer anschließenden Lichterprozession am Kapellplatz. Eine feierliche Prozession von der Gnadenkapelle zur Basilika ging dem Pontifikalamt am Sonntag voraus. Kapellchor und -orchester ließen die Große Messe in C von Josef Rheinberger erklingen. Viele Gläubige, viele Pilger waren gekommen, darunter auch Prinzessin Theresa von Bayern als Vertreterin des Hauses Wittelsbach, das erneut die Schirmherrschaft übernommen hat, dieses Mal zur laufenden Generalsanierung der Basilika. Und auch die Worte waren feierlich: „Eine Kirche ist ja immer etwas unsagbar Großes“, sagte Bischof Wilhelm Schraml in seiner Predigt am Sonntag. „Denn wir wissen aus unserem Glauben: Sie ist das Haus Gottes, die Pforte des Himmels. Eure Kirche macht das wahr, was wir täglich im Engel des Herrn beten: ,Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.‘“

Feierliche und nachdenkliche Predigtworte

Bischof Wilhelm Schraml am Altar.
Bischof Wilhelm Schraml.

Feierlich, aber auch nachdenklich waren die Predigtworte sowohl des Bischofs am Sonntag als auch des Kapuzinerprovinzials bei der Vorabendmesse am Samstag. In den vergangenen hundert Jahren ist dann doch so einiges geschehen, einiges, das uns heute nicht selten von einer „Glaubens- und Kirchenkrise“ sprechen lässt, das Papst Benedikt XVI. dazu animierte, ein „Jahr des Glaubens“ auszurufen und eben auch die Prediger nachdenklich werden ließ. „Wir leben in einer stürmischen Zeit. Vieles ist ins Wanken geraten“, stellte Bischof Schraml fest. P. Christophorus erinnerte abends zuvor: „Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderungen und Umbrüche. Nicht nur in Welt, Politik und Gesellschaft – nein, vor allem auch in der Kirche. Wir reden von Glaubenskrise, von Kirchenkrise, von Berufungskrise und von Priestermangel. Die Anzahl der Kirchenaustritte steigt, und in Gemeinden und Diözesen haben wir es mit zurückgehenden Zahlen zu tun.

Die beiden Prediger antworteten unterschiedlich auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Mahnend

Mahnend, Bischof Schraml: „Wir dürfen nicht mutlos werden“, sagte er. „Wir müssen uns deshalb noch mehr auf Jesus Christus konzentrieren, dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren. Wir müssen festhalten an jenem Glauben, den uns die Hl. Schrift, die Apostel, die Kirchenväter und Kirchenlehrer überliefert haben und den uns das Lehramt der Kirche darlegt. Wir brauchen keine sog. Neuinterpretation des Glaubens. Was wir brauchen ist dies: dass unser Glaube mit der Kraft des Hl. Geistes erfüllt werde.“ Ausdrücklich hielt er fest, dass die St. Anna-Basilika vom „hl. Papst Pius X. zur päpstlichen Basilika erhoben“ wurde. Der Bischof sprach von Treue: „Steht fest in eurer Treue zum überlieferten Glauben. Steht fest zur Kirche, die der Herr auf das Felsenfundament des Apostels Petrus gegründet. Lasst nicht nach in eurer Treue zum Petrus unserer Tage, zu Papst Benedikt XVI.“ Der Papst, der so oft in Altötting gewesen sei, wolle uns nun mit dem von ihm ausgerufenen Jahr des Glaubens „helfen, ,den Weg des Glaubens wieder zu entdecken, um die Freude und die erneute Begeisterung der Begegnung mit Christus zu finden‘ und so mit authentischem Schwung den Glauben zu bezeugen.“ Bischof Schraml appellierte: „Lassen wir uns wachrütteln, damit unser Glaube ein neues Profil und eine neue Strahlkraft gewinnt.“ Mit Blick auf das in Anlehnung an Worte des hl. Franz von Assisi formulierte Motto der Generalsanierung – „Stelle mein Haus wieder her!“ – stellte er fest, „dass die äußere Renovierung des Gebäudes letztlich nur ein Bild und ein Aufruf ist für die innere geistige und geistliche Erneuerung der Kirche“ und zitierte das Apostolische Schreiben zum Jahr des Glaubens: „Das Jahr des Glaubens ist eine Aufforderung zu einer echten und erneuten Umkehr zum Herrn, dem einzigen Retter der Welt.“

Hoffnungsvoll

P. Christophorus Goedereis und Mesner Br. Vinzenz Müller mit dem Schlüssel zur Kirche.
P. Christophorus Goedereis (l.) und Mesner Br. Vinzenz Müller. Die Basilika wird aufgrund der Innenrenovierung bios voraussichtlich Frühjahr 2014 geschlossen.

Hoffnungsvoll, Provinzial P. Christophorus. „Welch wunderbares Bild von Kirche“, stellte er in Anlehnung an die Lesung aus dem Buch Ezechiel (Ez 47, 1-2.8-9.12) zum Kirchweihtag fest. „Da nimmt der Herr den Propheten Ezechiel in einer Vision an die Hand, führt ihn auf einen hohen Berg und lässt ihn in einer großartigen Schau einen neuen Tempel sehen: Einen lebendigen Tempel, aus dem in alle vier Himmelsrichtungen lebensspendendes Wasser strömt“, fasste er dieses „Bild einer lebensspendenden Kirche“ zusammen. Auch damals habe „Krisenstimmung, Frust und Resignation“ geherrscht, Ezechiel erhielt die Vision, als das Volk Israel in babylonischer Gefangenschaft war. P. Christophorus erinnerte an viele der „rasanten Zeitenwechsel“ in Gesellschaft, Kirche und Politik in den vergangenen hundert Jahren und fragte: „Durch welche Brille hindurch schauen wir auf die Geschichte? Und: durch welche Brille hindurch betrachten wir die Gegenwart? Sind wir Menschen, die nur ehrfürchtig zurückschauen – oder sind wir Menschen, die auch noch einen neuen Aufbruch wagen?“ P. Christophorus knüpfte an das Hoffnungsbild aus der Lesung an: „Seht genau hin und unterscheidet die Geister. Einerseits nimmt in weiten Teilen der Bevölkerung die Verwurzelung im Glauben und die Bindung an die Kirche in rasender Geschwindigkeit ab – und andererseits gibt es eine neue Suche nach Religiosität und Spiritualität. Einerseits treten in Deutschland immer mehr Menschen aus der Kirche aus – und andererseits stellt der moderne Mensch neu die Frage nach dem Sinn und nach Werten, die tragen.“ Der Provinzial ermutigte: „Nehmt diese Entwicklungen wahr für eine neue Verkündigung des Glaubens in heutiger Zeit.“ Dann sagte er: „Die Mitte der Kirche seid nicht ihr. Die Mitte der Kirche sind nicht die Wogen der Geschichte, die uns mal einen grandiosen Aufschwung und immer wieder auch Krisenzeiten bescheren. Die Mitte der Kirche ist Christus. Die Mitte der Kirche ist das Geheimnis des Glaubens. Die Mitte der Kirche ist Gott selber.“ P. Christophorus zitierte Worte aus der Eröffnungspredigt von Papst Benedikt XVI. zum „Jahr des Glaubens“. Der Hl. Vater zeichnete das Bild von einer „Pilgerreise durch die Wüsten der heutigen Welt“. Der Provinzial bat: „Möge die Gottesmutter Maria und ihre Mutter Anna, die Patronin dieser Basilika, immer als Stern über unserem Weg durch die Geschichte leuchten.

Lob für die Kapuziner

Dass die Kapuziner als Seelsorger am Wallfahrtsort bleiben werden, hatte P. Christophorus bereits bei der Pilgerleitertagung am Samstag bekräftigt. Ausdrücklich dankte Bischof Schraml den Kapuzinern „für ihre nimmermüden seelsorgerlichen Dienste. Unsichtbare Ströme von Gnade, von Licht und Kraft gingen durch ihre Priesterhände. Vergelt‘s Gott, verehrte Brüder!“

Die Kapuziner sind als Träger der Baulast maßgeblich verantwortlich für die Generalsanierung der St. Anna-Basilika, die nun im Zuge der Innenrenovierung bis voraussichtlich zum Frühjahr 2014 geschlossen werden muss. Eine Zeltkirche wird in der kommenden Wallfahrtssaison die Pilger aufnehmen bis es wieder heißt: „Tu auf deine Pforten, dass einziehe der König der Herrlichkeit“.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Die St. Anna-Basilika wird derzeit aufwendig generalsaniert. Wie schon beim Bau der rund 8.000 Menschen umfassenden Wallfahrtskirche, sind die Kapuziner als Träger der Baulast dringend auf Unterstützung angewiesen – ohne das Wohlwollen und der Spenden von Pilgern und Betern wäre dieses Gotteshaus niemals entstanden! Spenden unter dem Stichwort „Renovierung der Basilika“ auf das Konto-Nr.: 4331303, LIGA Bank eG, BLZ 750 90 300 sind herzlich erbeten. Mehr Informationen zur Generalsanierung und zu Spendenmöglichkeiten im Internet unter www.basilika-altoetting.de.

Bildergalerie

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)

Impressionen der Feier zum Weihejubiläum der St. Anna-Basilika in Altötting.
Vorabendmesse in der St. Anna-Basilika mit P. Christophorus Goedereis.
Lichterprozession am Samstagabend, 13. Oktober.
Prozession mit Fahnenabordnungen von der Gnadenkapelle zum Ontifikalamt in der Basilika am Sonntagvormittag.
Einzug der Geistlichkeit.
P. Christophorus Goedereis mit der jungen Pilgerin Helene aus Marktl und gelbem Pilgertuch.
P. Georg Greimel, Rektor der Basilika, verteil Bruder Konrad-Weckerl beim geselligen Beisammensein am Basilika-Vorplatz.
Mesner Br. Vinzenz Müller schließt die Basilika für die anstehende Renovierung.