Altöttinger Liebfrauenbote

Erzbischof Müller über katholische Laien, kreuz.net und jüngste Kritik an seiner Person

"Was wir nicht genug haben, sind überzeugte Katholiken"

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller fordert von katholischen Laien mehr politischen Einsatz. Im Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung sprach er auch über die kreuz.net-Affäre sowie über Kritik seines früheren Generalvikars und jetzigen Diözesanadminsitrators in Regensburg, Wilhelm Gegenfurtner.

Portraitbild von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller.
Erzbischof Gerhard Ludwig Müller.

Immer wieder fordern katholische Laien mehr Mitsprache in der katholischen Kirche. Erzbischof Müller drehte den Spieß nun um. "Laien noch stärker in die Kirche einzubinden, geht eigentlich gar nicht mehr", sagte er im Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung. Stattdessen forderte er Laien auf, sich stärker politisch zu engagieren: "Was wir nicht genug haben, sind überzeugte Katholiken, die auf allen Ebenen in der Politik tätig sind. Es geht nicht nur darum, an der Liturgie teilzunehmen, auch wenn das ein wesentliches Element ist." Laut Müller sollten sich Katholiken für Partreien aufstellen lassen, statt über sie zu klagen und das politische Feld "anderen ideologischen Gruppierungen" zu überlassen. Der Erzbischof beklagte einen "politischen Atheismus und aggressiven Säkularismus", der für Deutschland und Europa die größte Gefahr darstelle.

Gleichzeitig warnte Müller vor anonymen Hetzportalen im Internet. Zum angeblich katholischen Hetzportal kreuz.net, das in den vergangenen Wochen massiv unter Kritik stand und mittlerweile vom Netz genommen wurde, sagte er: "Der Papst und die Bischöfe – auch ich persönlich – sind immer wieder scharf angegriffen worden. Da stand zwar ,katholisch‘ drauf, aber das kann jeder hinschreiben. Das sind keine katholischen Fundamentalisten – das wäre ein Widerspruch in sich – sondern irgendwelche Extremisten, die nicht argumentieren, sondern nur diffamieren können. Ein anständiger Mensch sagt über andere nichts Negatives, ohne dass er seinen Namen preis gibt und damit dafür Verantwortung übernimmt. Das ist ein Nachteil unseres Internets und müsste entsprechend gesetzlich geregelt werden. Aber auch die Öffentlichkeit muss kritisch reagieren und darf Anonymes nicht ernst nehmen – genauso wie man anonyme Briefe in den Papierkorb wirft."

Müller äußerte sich auch zum "Fall Gegenfurtner" – dieser hatte sich in den vergangenen Wochen sehr distanziert über den ehemaligen Regensburger Bischof geäußert. "Ich habe zehn Jahre von ihm etwas anderes gehört – nämlich das Gegenteil", antwortete Müller, als er darauf angesprochen wurde.

Zur Nachfolge von Bischof Wilhelm Schraml, der derzeit als Apostolischer Administrator das Bistum Passau leitet, sagte Müller: "Der Bischof ist schließlich noch da. Ich rechne mit einer Entscheidung im Laufe des nächsten Jahres."

Papst Benedikt XVI. ist laut Müller stets auf dem Laufenden über die Vorgänge in Deutschland: "Nicht nur wenn es um Regensburg geht, bekommt er alles mit – und ist über Deutschland voll im Bilde."

Erzbischof Müller selbst hat sich noch nicht ganz eingewöhnt in seiner neuen Heimat in Rom: "Meine Wohnung wird erst nächste Woche fertig. Erst wenn ich dort eingezogen bin, bin ich richtig angekommen. Noch lebe ich im Gästehaus der Deutschen Bischofskonferenz im Provisorium auf etwa 50 Quadratmetern. Es ist dort etwas spartanisch: Ich habe keinen Schreibtisch, kein Telefon, keinen Fernseher. Und ich schlafe in einem Bett, das von der Länge gerade mal so zu meiner Größe passt."

Text: Michael Glaß, Foto: Bistum Regensburg