Altöttinger Liebfrauenbote

Clown-Therapie der Kinderhilfe Bethlehem im Caritas Baby Hospital

Die Seele der Kinder berühren

Zweimal im Monat greift Schwester Lucia morgens nicht zu ihrer alltäglichen Kleidung, sondern zu Ringelsocken, einem bunt verzierten Oberteil und steckt sich Luftballons und Farbstifte in die Taschen. So ausgerüstet macht sie sich auf den Weg ins nahegelegene Caritas Baby Hospital in Bethlehem. Dort ist Schwester Lucia Leiterin für Qualitätssicherung und Hygiene – und Koordinatorin der „Band of Smile“, der zwölfköpfigen Clown-Gruppe des Caritas Baby Hospitals. Heute schlüpft sie mal wieder in ihre Rolle als Clown, der die Kinder zum Lachen bringt und sie von ihren Erkrankungen ablenkt. Die Clown-Therapie will Ängste und Unsicherheiten der Patienten abbauen und den Kinderseelen Geborgenheit schenken.

Ein Clown im Einsatz schüttelt einem kleinen Jungen die Hand.
Clown im Einsatz: Für einen Moment vergessen die Kinder ihr Leid.

Auf dem Weg ins Kinderkrankenhaus stimmt sich Schwester Lucia gedanklich auf den Tag ein. Sie freut sich auf die Begegnungen mit den Kindern und die gute Laune, die die Clown-Gruppe in der ganzen Klinik verbreitet. Doch es gibt einen kleinen Teil in ihr, der sich beunruhigt fragt, ob die Patienten diese etwas andere Form der Therapie auch annehmen werden. Schwester Lucia hofft tief in ihrem Herzen, dass ihre eigene Freude ansteckend wirkt und die Seelen und Gemüter der Kinder berühren kann.

Die „Band of Smile“ stellt die erste Clown-Gruppe im Westjordanland dar. Die Gruppe besteht aus einem Freiwilligenteam von zehn Frauen und zwei Männern, die alle Mitarbeiter des Caritas Baby Hospitals sind. Aus ihren unterschiedlichen Berufsfeldern bringen sie verschiedenste Ideen und Konzepte ein, wie die Clown-Therapie bei den Kindern und Babys im Hospital zu einer schnelleren Genesung beitragen kann. Die Idee dazu entstand 2007 mit Unterstützung von „La Banda Del Sorriso“, einer Clown-Gruppe aus Italien. Seit den Anfängen hat sich die Clown-Therapie im Caritas Baby Hospital etabliert. Die Klinikclowns möchten nicht einfach nur Spaß und Freude verbreiten, sondern eine qualitativ hochwertige Therapieform für die Patienten entwickeln. Dazu finden monatliche Auswertungssitzungen und regelmäßige, professionelle Weiterbildungen statt. Bei den Mitarbeitenden der Kinderklinik wird die Therapieform sehr geschätzt und ist als Methode anerkannt.

Schwester Lucias Tag als Clown startet heute in der stationären Abteilung des Caritas Baby Hospitals. Sie besucht den siebenjährigen Mahmud, der an Cystischer Fibrose leidet. Cystische Fibrose bzw. Mukoviszidose ist eine der weltweit häufigsten Erbkrankheiten. In den Lungen und der Bauchspeicheldrüse wird ein zäher Schleim produziert, der zu gefährlichen Infektionen und Verdauungsproblemen führt. Die Krankheit ist nicht heilbar. Aufwändige Inhalations- und Antibiotika-Therapien sowie zeitintensive Physiotherapien sind tagtäglich notwendig, um die Patienten am Leben zu erhalten. Diese Behandlungen erfährt auch der kleine Mahmud. Die Clown-Therapie möchte ihn auf diesem Weg begleiten und ihm ein Stück seiner Lebensfreude zurückgeben. Als Schwester Lucia und ihre Clown-Kollegen sein Zimmer betreten und ein Lied anstimmen, leuchten Mahmuds Augen auf. Als sie ihr Lied beenden, schlägt er – anfangs noch schüchtern – vor, ihnen als Dank selbst ein Lied zu singen. Mahmud nimmt Schwester Lucias Plastikmikrophon und singt ihnen stolz und freudig etwas vor. Man sieht ihm an, wie er für diesen Moment seine Sorgen hinter sich lässt und Liebe und Frieden in seine Seele zurückkehren. Dank der Clown-Therapie und der Musik hat er Kraft gefunden, weiter gegen seine Krankheit anzukämpfen.

Mit Freude heilen

Sr. Lucia und ihre Kollegen bereiten sich vor auf ihren „Gute-Laune-Einsatz“ – das Bild zeigt, wie sie sich in der Garderobe schminken.
Sr. Lucia und ihre Kollegen bereiten sich vor auf ihren „Gute-Laune-Einsatz“.

Als Schwester Lucia gefragt wurde, ob sie Teil der Clown-Gruppe werden möchte, nahm sie diese Gelegenheit sehr gerne wahr. Sie ist überzeugt, dass die Clown-Therapie ein hilfreiches und starkes Werkzeug sein kann, um in Kontakt mit Kindern zu treten. Schwester Lucia möchte nicht nur die Patienten mit der Therapie erreichen, sondern auch ihr eigenes, inneres Kind wieder zum Leben erwecken. Dies sieht sie als wichtigen Faktor an, wenn man Kindern wirklich helfen und ihre Seele berühren möchte. Die Klinikclowns der „Band of Smile“ möchten jedem einzelnen Patienten des Caritas Baby Hospitals ein echtes und wahrhaftes Lächeln auf das Gesicht zaubern. Das Wohlbefinden der Kinder und Babys soll dadurch gesteigert und die Genesung beschleunigt werden. Auch Mitarbeitende, Familien und Freunde sollen erreicht und von der positiven Energie angesteckt werden.

Langfristig möchten die Clowns als Pioniere auf diesem Gebiet wahrgenommen werden und das Projekt über die Grenzen des Kinderkrankenhauses hinaus bekannt machen. Zu anderen sollen Brücken gebaut werden, um einen Austausch über diese Therapieform zu ermöglichen. Auch werden zusätzliche Mitglieder und eine stetige Steigerung der Professionalität angestrebt. Ein Finanzierungspartner soll gefunden werden, um beispielsweise Broschüren zu drucken oder Weiterbildungen zu ermöglichen.

Schwester Lucia und die Klinikclowns verbreiten mit roten Nasen, farbigen Malstiften, unzähligen Luftballons, wackelnden Puppen oder bunten Tüchern Freude und Unbeschwertheit im Kinderkrankenhaus. Als die Clowns einen Sketch aufführen, wird auch eine wartende Mutter auf die Gruppe aufmerksam. Sie verfolgt die Aufführung mit einem Lächeln im Gesicht und Freude in den Augen. Nach der Vorstellung bedankt sich die Mutter bei Schwester Lucia für diese gelungene Ablenkung. Ihr Baby, gerade einmal sechs Monate alt, leidet an Bronchitis. Während die Mutter mit den Clowns spricht, interessiert sich das Kleine sehr für die farbenfrohe Kleidung der Klinikclowns und die wackelnden Fühler, die sich Schwester Lucia als Kopfschmuck aufgesetzt hat. Der Husten ist für eine Zeitlang vergessen, viel wichtiger werden die rote Nase und die bunten Tiere. Die Begegnung mit den Clowns hat sowohl der Mutter als auch ihrem kranken Kind einen Moment der Unbeschwertheit und Freude beschert, aus dem sie Energie und Hoffnung schöpfen können.

Immer neue Herausforderungen

Sr. Lucia auf dem Weg zur Arbeit ins Caritas Baby Hospital von Bethlehem.
Sr. Lucia auf dem Weg zur Arbeit ins Caritas Baby Hospital von Bethlehem.

Schwester Lucia und die anderen Clowns werden in der Clown-Therapie immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Die inneren Barrieren müssen überwunden und die eigenen Sorgen abgeschüttelt werden. Auch das Team, in dem jede einzelne Meinung ernst genommen wird, muss als solches funktionieren. Ebenso kann es an manchen Tagen schwierig sein, fest daran zu glauben, dass jede noch so simple menschliche Verhaltensweise, wie eine Umarmung oder ein Lachen, eine deutliche Veränderung hervorrufen kann. Wenn Schwester Lucia auf ihre bisherige Arbeit in der Clown-Therapie zurückblickt, stellt sie einen Wandel fest. Sie hat ihr inneres Kind wiedergefunden und Frieden erfahren. Es macht sie stolz zu sehen, wie motiviert die Clown-Gruppe die Therapie angeht und welche Veränderungen sie bei den Patienten hervorrufen können. Denn ein Krankenhausaufenthalt ist für Kinder immer eine Ausnahmesituation, die mit viel Stress verbunden ist und die negative Auswirkungen auf die Heilung haben kann. Durch die Anwesenheit der Klinikclowns lachen die Kinder, fühlen sich wohler und entspannen sich. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass sich die Kinder im Hospital zu Hause fühlen. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Lebendigkeit und Gesundheit.

Abends verlässt Schwester Lucia die Kinderklinik zwar müde, aber voller Zufriedenheit und innerem Frieden. Sie freut sich sehr, dass die Kinder und ihre Mütter auch heute die Clown-Therapie angenommen haben und sie ihnen Momente der Unbeschwertheit und der Freude vermitteln konnte. Sie vertraut darauf, damit den Heilungsprozess der Kinder und Babys beschleunigt zu haben. Besonders gespannt ist Schwester Lucia auf die Weihnachtsaktion: ein Musical für Patienten, Mütter und Mitarbeitende ist geplant. Mehr verrät Schwester Lucia noch nicht – aber sicher ist, dass dabei viel gelacht werden kann.

Text: Carmen Sibbing, Fotos: Meinrad Schade

Informationen zum Caritas Baby Hospital

Im Caritas Baby Hospital in Bethlehem, Palästina, werden jährlich ca. 34.000 Babys und Kinder behandelt und betreut. Es wird von der Kinderhilfe Bethlehem finanziert und betrieben. Die Kinderklinik versteht sich als Hoffnungsträgerin und Insel des Friedens für Kinder und Mütter, die im Krisengebiet ohne medizinische Grundversorgung und in Armut leben. Alle Kinder erhalten Hilfe, unabhängig von Herkunft und Religion. Das Leitwort „Wir sind da“ ist Anspruch und Verpflichtung zugleich.

Nähere Informationen und Spendenmöglichkeiten: Kinderhilfe Bethlehem im Deutschen Caritasverband e.V., Karlstraße 40,
 79104 Freiburg, Tel. 0761 200-314,
 Fax 0761 200-426, E-Mail: khb@caritas.de, Internet: www.kinderhilfe-bethlehem.de.