Altöttinger Liebfrauenbote

Nossa Senhora da Conceição – Mariä Empfängnis auf Madeira

Als Mutter Gottes erwählt

Am 8. Dezember feiert die Kirche das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“, das im allgemeinen Sprachgebrauch kurz „Mariä Empfängnis“ genannt wird. Viele Kirchen in aller Welt tragen das Patrozinium Mariä Empfängnis – so auch auf der Azoreninsel Madeira.

Innenaufnahme der Kapelle „Mariä Empfängnis“ auf Madeira.
Die Kapelle „Mariä Empfängnis“ auf Madeira.

Die Bezeichnung Mariä Empfängnis sorgt manches Mal für etwas Verwirrung unter den Gläubigen, da bei diesem Fest der Empfängnis Mariens gedacht wird, also genau neun Monate vor ihrer Geburt und nicht darum, dass Maria durch den Heiligen Geist Jesus empfing. Seit dem 9. Jahrhundert ist dieses Fest schon in der Kirche bekannt. Es ist aber wohl jünger als das der Geburt Mariens am 8. September.

Dargestellt wird die Immaculata, vom lateinischen Wort für unbefleckt, meist auf einer Weltkugel oder einer Mondsichel stehend mit einem Sternenkranz über dem Kopf – Maria ist Königin der Welt und wird als die Frau verstanden, von der die Apokalypse des Johannes spricht. Mit ihrem Fuß zertritt sie eine Schlange. Damit wird die theologische Kernaussage des Festes auf den Punkt gebracht. Die Schlange, als Symbol des Bösen, des Teufels und der Sünde, kann ihr nichts anhaben, denn Gott hat sie von ihrer Empfängnis an erwählt, Mutter Gottes zu sein, Gottesgebärerin.

Geglaubt wurde dieses Geheimnis in der Kirche schon über Jahrhunderte – das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis wurde aber erst vom seligen Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 mit einer Bulle zum unumstößlichen Glaubenssatz in der Kirche erhoben. Das Dogma beinhaltet „…die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben“ (Bulle „Ineffabilis Deus“). In diese Zeit fallen auch die Marienerscheinungen im südfranzösischen Lourdes, bei der die Seherin Bernadette Soubirous die „weiße Dame“ fragt, wer sie denn sei. Diese antwortet ihr: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis!“

Innige Marienverehrung

Die Capela de Nossa Senhora da Conceição von außen.
Unscheinbar: Die Capela de Nossa Senhora da Conceição von außen.

Vom südfranzösischen Lourdes begeben wir uns nun auf die portugiesische Azoreninsel Madeira im Atlantischen Ozean, die rund 750 km westlich vor Afrika liegt. Die Inselgruppe ist Sitz eines katholischen Bischofs in der Hauptstadt Funchal und rund 95 Prozent der 235.000 Einwohner sind römisch-katholischen Glaubens. An der Südküste der Hauptinsel liegt der 17.000 Seelen-Fischerort Câmara de Lobos, die Höhle der Mönchsrobben. Der britische Premierminister Winston Churchill machte den Ort als sein Feriendomizil bekannt und verewigte ihn in einem Gemälde. Direkt am Hafen gelegen ist die „Capela de Nossa Senhora da Conceição“, zu Deutsch die „Kapelle Unserer Lieben Frau von der unbefleckten Empfängnis“. Sie soll von Fischern bereits Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut worden sein und war wohl auch Zentrum einer Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis.

Im Jahre 1723 wurde das kleine Gotteshaus erweitert und verzaubert den Besucher heute mit seinen farbenfrohen Gemälden des heimischen Malers Nicholas Ferreira, die auch Szenen aus dem Fischfang darstellen. Auf dem geschnitzten Hochaltar aus dem 18. Jahrhundert befinden sich dann nicht nur gleich zwei Darstellungen der Unbefleckten Empfängnis sondern auch noch eine Statue der „Nossa Senhora de Fátima“, von „Unserer lieben Frau von Fatima“. Die Marienverehrung in Portugal und besonders auf der Insel Madeira ist so sehr verbreitet und innig, dass sogar gleich drei Statuen der Gottesmutter einen Altar schmücken. Am 8. Dezember 2012 werden die Gläubigen in Câmara de Lobos wieder mit aller Farbenpracht und aller von herzen kommenden Volksfrömmigkeit die Nossa Senhora da Conceição feiern.

Text und Fotos: Carl Prämaßing

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Bild der Hauptfigur: Maria auf der Mondsichel, Engel zu ihren Füßen.
Hauptfigur: Maria auf der Mondsichel, Engel zu ihren Füßen.
Nebenfigur: Maria zertritt die Schlange, Symbol des Bösen.
Nebenfigur: Maria zertritt die Schlange, Symbol des Bösen.
Auch eine Fatima-Madonna ziert den Altar der Kapelle.
Auch eine Fatima-Madonna ziert den Altar der Kapelle.