Altöttinger Liebfrauenbote

Vollversammlung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken

Rege Debatten: Wiederverheiratete, Entwicklungshilfe und Europa

Rege Debatten über strittige Themen haben die Herbstvollversammlung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) Ende November in Bonn/Bad Godesberg geprägt. Das oberste Laiengremium verabschiedete eine Stellungnahme zu wiederverheirateten Geschiedenen, kritisierte Kürzungen im Entwicklungshaushalt und forderte von Europa eine "zukunftsfähige Lebenskultur". Außerdem wurden Personen des öffentlichen Lebens als "Einzelpersönlichkeiten" in das Gremium gewählt, darunter drei Ministerpräsidenten.

Die Vollversammlung des ZdK hat am Samstag, dem 24. November 2012, eine Entschließung verabschiedet, in der sie sich für die Fortsetzung des kirchlichen Dialogs über die pastorale Situation der wiederverheiratet Geschiedenen einsetzt. "Viele zivilrechtlich geschiedene und wiederverheiratete Gläubige leiden darunter, dass sie aus wichtigen Bereichen der kirchlichen Gemeinschaft und insbesondere vom Empfang der heiligen Kommunion ausgeschlossen sind", stellt das ZdK in der Stellungnahme fest und fordert "mit Nachdruck alle auf verschiedenen Ebenen angestoßenen Anstrengungen, diese seit vielen Jahren bedauerte Situation im Sinne des Heils der Menschen und damit einer dienenden und barmherzigen Kirche zu lösen". Außerdem lobt das ZdK "die Bemühungen der deutschen Bischöfe, über die unmittelbar drängende Frage des Kommunionempfangs hinaus auch weitere Bereiche des kirchlichen Lebens bis hin zu den arbeitsrechtlichen Konsequenzen in eine befriedigende pastorale Lösung einzubeziehen".

Besorgt äußerte sich das ZdK darüber, "dass Deutschland trotz Steuereinahmen in Rekordhöhe mit dem Haushaltsentwurf 2013 eine deutliche Abkehr von der Erfüllung internationaler Verpflichtungen zur Armutsbekämpfung vornimmt und damit ein falsches Zeichen im Einsatz für globale Gerechtigkeit setzt". In einem Initiativantrag forderten die Laienkatholiken die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag auf, "die Kürzungen im Entwicklungshaushalt zurückzunehmen".

Mit Blick auf die Krise in Europa rief der Präsident des ZdK, Alois Glück, die Europäer dazu auf, einen geordneten Übergang zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Lebenskultur zu gestalten. "Die eigentliche und tiefere Ursache dieser Krisen ist uns nämlich gemeinsam: dass wir nämlich alle miteinander seit vielen Jahren nicht mehr erwirtschaften, was unsere Art zu leben kostet. Das ist der Kern der europäischen und der internationalen Schuldenkrise", so Glück.

Christen und Muslime forderte ZdK-Chef Glück auf, "Partner in der pluralistischen Gesellschaft" zu sein. "Christen und Muslime haben gemeinsam den Auftrag unsere Gesellschaft auf der Grundlage gemeinsamer Überzeugungen mitzugestalten. Deshalb braucht der interreligiöse Dialog unseren beständigen Einsatz ", forderte er.

In seinem Bericht zur Lage vor der Vollversammlung des ZdK lobte Glück die positive Eigendynamik des Dialogprozesses in der katholischen Kirche. Dieser sei nicht auf die der Bundesebene begrenzt, sondern in den Gemeinschaften der Kirche und in den allermeisten Diözesen angekommen.

Die ZdK-Vollversammlung wählte 45 "Einzelpersönlichkeiten als "weitere Mitglieder" für einen Zeitraum von vier Jahren. Die bis zu 45 Vertreter aus Politik und Gesellschaft bilden zusammen mit den 84 Vertretern der Diözesanräte und den 97 Verbandsvertretern die ZdK-Vollversammlung. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), die stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) und der Münchner Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande gehören künftig neu dazu. Wiedergewählt wurden Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner, der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Armin Laschet und ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Text: Michael Glaß